Aus unserem Logbuch

5-Burgen Raubzug in der Südpfalz…

von | Aug 3, 2021 | Logbuch, Unterwegs

Breitbart stand, wie nach jeder größeren Tour, an der Theke und versuchte die Aufmerksamkeit der anwesenden Piraten zu erhaschen. Doch alle waren in Gespräche vertieft und niemand schien sich für ihn zu interessieren. Er räusperte sich laut. Als immer noch niemand auf ihn reagierte, fing er einfach an laut zu sprechen: “Auf einem Raubzug waren wir, jawohl!” 
Einige der Piraten unterbrachen nun ihre Gespräche und schauten hinüber zu ihm. Breitbart fuhr mit lauter Stimme fort: “In das ferne Frankreich sind wir einmarschiert und 5 Burgen haben wir gebrandschatzt”. Jetzt wurde es still im Raum. Ob das nun daran lag, dass alle auf seine Geschichte gespannt waren oder einfach nur sehen wollten, wie sich die Situation entwickelt, war nicht ersichtlich – und Breitbart letztlich auch egal. 

“Welche?” rief ein Matrose aus der hinteren Reihe hinein. “Wie, welche?” fragte Breitbart zurück. “Welche Burgen habt ihr gebrandschatzt?” Breitbart stand von seinem Hocker auf und stellt sich in die Mitte der Theke, so dass ihn alle sehen konnten. Dann begann er stolz aufzuzählen: “Die Wegelnburg, die Hohenburg, Löwenstein, Fleckenstein und sogar die Frönburg.” Mit jedem Namen schwoll seine Brust merklich an. Mit jedem Namen wirkte Breitbart ein wenig größer. 

Alles war still. Alle blickten ihn an. Einige jedoch eher aus Ver- als aus Bewunderung. “Die sind doch alle aus dem 13. Jahrhundert. Waren das nicht ohnehin schon Ruinen?” hörte man einen Piraten in die Stille hineinrufen. Gelächter brach in den hinteren Reihen aus – die vorderen trauten sich nicht. “Papperlapapp”, brüllte Breitbart, “jetzt! ja, jetzt sind es Ruinen! Das steht kein Stein mehr auf dem anderen! Gebrandschatzt haben wir die nämlich. Gekämpft auf den Mauern, gegen Ritter und Drachen. Jawohl ja!”. Ein wenig niedergeschlagen, setzte er sich wieder auf einen Barhocker und blickte nachdenklich auf den Boden. Wieder wurde es still.

Einer fasste sich Mut und fragte leise: “Was habt ihr denn erbeutet?” Breitbart schaute auf, blickte in die Leere des Raumes und sprach fast zu sich selbst: “Beinahe 20 Kilometer haben wir uns erkämpft und fast 800 Höhenmeter bezwungen”. Er begann zu lächeln und griff in seine Tasche. “Und all diese schönen Bilder haben wir erbeutet.” Mit seinen letzten Worten zog er die Bilder seines Raubzuges hervor und reichte sie herum. Bilder von Burgruinen, imposanten Sandsteinformationen, fast zugewachsenen Waldpfaden, Trails und wunderschönen Wäldern. Im Raum entstand Unruhe. Gemurmel und Gerede als die Piraten und Matrosen sich über die Bilder beugten und anfingen zu diskutieren. Einer sagte: “Naja, viel ist von dieser Burg ja nicht mehr zu erkennen.” Ein anderer sprach: “Das sind ja bloß Mauereidechsen und keine Drachen”. Und einer meinte: “Sieht ja auch wie im Pfälzerwald, dachte er war in Frankreich.” 

Breitbart ließ sie reden und drehte sich zur Theke um. Er blickte zum Wirt und führte seine rechte Hand mit gestrecktem Zeigefinger langsam zu seinem Mund, während er mit der linken Hand in seine Tasche griff und eine glänzende Goldmünze hervor holte. Er legte sie auf den Tresen und sprach ganz leise “Aber wir verstehen uns, oder?”. Der Wirt musterte die Münze. Auf der einen Seite die französische Flagge und die Worte „Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit“, auf der Rückseite ein Portrait des französischen Präsidenten Emmanuel Macron mit einem Baguette in seiner Hand. Der Wirt lächelte, holte eine Flasche unter dem Tresen hervor und füllte sich und Breitbart jeweils ein Glas ein. “Denen fehlt es einfach ein wenig an Fantasie”, sprach er zu Breitbart. Dieser lächelte und begann dem Wirt von seinen Abenteuern zu erzählen. Bis tief in die Nacht saßen die beiden zusammen…

Geschichten der Piraten, 2021-08

In der Südwestpfalz, nahe der deutsch-französischen Grenze liegt Nothweiler. Das kleine, beschauliche Dörfchen ist ein idealer Ausgangspunkt zu den Burgen auf der französischen Seite. 

Von Nothweiler aus gibt es bereits auf einem kurzen Stück insgesamt 4 Burgen zu besichtigen, die alle ihren ganz eigenen Charm haben. Wer dann die Strecke ein wenig ausweitet kann darauf schnell eine 5 oder gar 7 Burgen-Tour machen. 

Die Burgruinen sind in ihrem Charakter sehr unterschiedlich. Einige der Burgen sind kaum noch als Burg zu erkennen, bestehen nur aus einem Fels aus verwaschenem Sandstein. Bei anderen wiederum stehen teilweise noch ganze Mauern und es lassen sich die ehemaligen Räumlichkeiten der Burgen erkennen. Alles in allem sind sie aber alle faszinierender als manche halbwegs gut erhaltene Ritterburg. 

Es gibt verschiedene Möglichkeiten mit unterschiedlichem Schwierigkeitsgrad die Gegend zu erkunden.

Frönsburg

Die “kleine” 4 Burgentour ist mir 12 Kilometern und 540 Höhenmetern auch gut mit Kindern zu gehen. Zumal gibt es mit der Burg Fleckenstein ein absolutes Highlight: Die Burg lockt Jung wie Alt mit einer Rätseltour die Burg auf unterhaltsame Art zu erkunden. Zudem findet sich dort auch ein Cafe zur Verpflegung. 

Mit 18 Kilometer lockt dann bereits die 5 Burgentour. Hierbei wird die 4 Burgentour mit der Frönsburg um ein weiteres Highlight ergänzt. Die Tour führt ebenfalls zunächst bis zur Burg Fleckenstein, dann zur Frönsburg und auf dem Rückweg passieren wir den Gimpelhof, wo wir eine Rast einlegen können. 

Mit nur ein paar Kilometern mehr (20 Kilometer) kann die Strecke sogar zu einer 7 Burgentour erweitert werden. Mit den Burgen Wasigenstein und Blumenstein gibt es hier dann direkt zwei weitere tolle Burgruinen zu besichtigen…

All diese Touren sind Teil des deutsch-französischen Burgenwegs. Dieser führt auf insgesamt 32 Kilometern in einer noch weiteren Runde auf insgesamt 8 Burgen. Eine tolle Zweitagestour. 

Doch die Region hat weitaus mehr als nur Burgen zu bieten. Es erstrecken sich viele Wanderungen entlang der deutsch-französischen Grenze. Zudem ist die Region Teil der Maginot-Linie – dem Linie aus Bunkern bestehenden Verteidigungssystem aus dem zweiten Weltkrieg entlang der französischen Grenze. In der Nähe gibt es einige Bunkeranlagen zu besichtigen, z.B. die Festung Schoenenbourg.

Aber für uns Wanderer sind die Burgruinen der Region natürlich die Hauptattraktionen. Wer in der Gegend ist, sollte diese auf keinen Fall verpassen!  

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