Aus unserem Logbuch

ZweiTälerSteig Etappe 2 – Die Bezaubernde

von | Jul 9, 2020 | Unterwegs

Auf der zweiten Etappe zeigt sich der Zweitälersteig direkt von seiner besten Seite. Heute bekommen wir alles geboten, was der Schwarzwald zu bieten hat. Tiefe Wälder, Wasserfälle, grüne Wiesen, einen ursprünglichen Tobel, knackige Auf- und Abstiege und alemannische Gastfreundschaft. Ein absolutes Highlight.

Morgens wachen wir auf dem Kandel auf. Es ist noch früh und daher ist außer uns Wanderern noch niemand unterwegs. Bis die ersten Touristen und Urlauber den Kandel erreichen dauert noch. Da sind wir vermutlich bereits schon wieder im Tal. Nach einem guten Frühstück starten wir die heutige Tour, die am Ende für uns 27 Kilometer lang sein wird.  

Wir starten oben auf dem Kandel und der Weg führt uns zunächst durch ein Waldgebiet. Uns umgibt eine besondere Atmosphäre. Wir sind so gut wie alleine unterwegs, die Natur wacht gerade auf, Vögel zwitschern und auch wenn der Weg anfangs noch an der Landesstraße entlang führt, so ist es doch ruhig, weil noch niemand früh morgens unterwegs ist. 

Die Strecke ist insgesamt sehr abwechslungsreich und auch wenn wir teilweise auf breiten Forstwegen laufen, so ist der Weg trotzdem nicht langweilig. Immer wieder überrascht uns der Schwarzwald mit all seinen verschiedenen Facetten. 

Nach den ersten 6 Kilometern treten wir aus dem Wald hinaus auf ein Höhenplateau. Hier blicken wir hinüber zur anderen Seite des Tals, die wir später auf unserem Weg noch erklimmen werden. Der Weg führt auf einer kleinen asphaltierten Straße gut zwei Kilometer weiter über die Höhe mit wunderbarem Ausblick auf die umliegende Landschaft, bis wir den Abstieg zu unserem ersten Etappenziel beginnen: Die Zweribach-Wasserfälle.    

Wir begegnen den Zweribachfällen von oben und steigen diese hinab. Zunächst treffen wir auf einen einzelnen Wasserfall und kurz danach auf die mittlere Stufe. Wir gehen weiter hinunter und finden schließlich einen kleinen Abstecher zu dem größeren und weitaus beeindruckenderem Gefälle der Zweribach-Wasserfälle.

Hier sollte man zumindest kurz innehalten. Zum Rast machen ist der Platz jedoch leider nicht so richtig geeignet, hier bietet es sich an, den Weg ein Stück weiter zu gehen. Nach knapp 500 Metern stoßen wir auf eine Hütte mit Bänken und Schnapsbrunnen.   

Nun folgt ein nicht anspruchsvoller Abstieg – meist auf Schotter und teilweise auf Asphalt – hinab ins Tal, welches wir nach 12 Kilometern erreichen. Es beginnt der zweite Teil der Etappe, der uns direkt mit einem knackigen Aufstieg begrüßt. Zunächst führt der Weg in die Teichschlucht hinein. Diese liegt in einem Bannwald und ist daher sehr urtümlich. Wir wandern auf einem schmalen, felsigen Pfad entlang des Teichbaches nach oben. Hier zeigt sich uns der Schwarzwald mal wieder von einer ganz anderen, wilden Seite. Mit ein wenig Glück lässt sich auf dieser Strecke sogar das ein oder andere Reh entdecken. 

Wir kämpfen uns knapp 2 Kilometer auf schmalen Pfaden ca. 170 Meter nach oben, bis wir die Landstraße L173 erreichen und überqueren. Ab hier geht es zunächst entspannt auf einem breiten Forstweg weiter, bis uns am Ende des Weges ein Holzschild begrüßt auf dem steht: “Wer d Wäldersteig nutt got innere halbe Stund. Der brucht no kei Doktor. D`sell isch no gsund”. (Für alle die, für die sich alemannisch wie eine Fremdsprache anhört: “Wer den Wäldersteig in einer halben Stunde hoch geht, der braucht noch kein Doktor. Das ist noch gesund”).  

Und von hier aus folgt eine kurze, steile Passage auf einem kleinen Wanderpfad in Serpentinen nach oben zur Vesperstube Hintereck. Keine Angst, die halbe Stunde sollte locker machbar sein. Wer sich extra anstrengt wird kurz vor der Hütte von einem zweiten Schild begrüßt: “Na, häsch gschwitzt?” (Na, hast Du geschwitzt?). Das ist der Humor, den ich aus meiner alten Heimat kenne… 🙂

Die Hütte Hintereck belohnt uns nach insgesamt 15,5 Kilometer mit einem grandiosen Ausblick. Wir sehen hinüber auf das Plateau, auf dem wir erst vor ein paar Stunden gelaufen sind und dahinter erblicken wir den Startpunkt unserer heutigen Tour, den Kandel. Das ist eine Besonderheit des Zweitälersteigs: Immer wieder können wir auf die Erhebungen um uns herum blicken, einerseits die, von denen wir kommen, andererseits die, die wir noch erwandern werden. 

Auf der Hütte legen wir eine längere Rast ein. Es liegen zwar immer noch einige Kilometer vor uns, aber zumindest haben wir so gut wie alle Höhenmeter bewältigt. Falls die Hütte nicht geöffnet hat, findet sich in einem Raum unterhalb des Haupthauses ein “Notlager”: Ein paar gekühlte Getränke, Preisliste und Kässchen. Wir genießen die Aussicht und die Sonne und sammeln unsere Kräfte für den letzten Teil der Tour. Dieser führt uns zunächst entlang eines schmalen Pfades zum “spitzen Stein”, eine ehemalige keltische Opferstätte, und anschließend hinunter ins Tal.

Der Abstieg nach dem spitzen Stein gehört zu den anspruchsvollsten Passagen des gesamten Zweitälersteigs. Hier geht es auf wenigen hundert Metern knapp 100 Höhenmeter direkt nach unten. Aber es ist zugleich auch landschaftlich mit eine der beeindruckendsten Stellen. Sie führt über moosbedeckte Felsen in Serpentinen steil hinab. Insgesamt legen wir beim Abstieg vom Hintereck bis zum Gasthof Engel am Ortseingang Obersimonswald auf 4 Kilometern gut 500 Höhenmeter zurück. 

Unten angekommen haben wir das schlimmste überstanden. Allerdings warten immer noch gut 6 Kilometer auf uns. Diese leiten uns zwar die meiste Zeit durchs Tal und sind landschaftlich auch sehr schön, aber hier zieht sich die Etappe zunehmend. Wir sind für unseren Geschmack für heute eigentlich genug gewandert, haben bereits genug Eindrücke aufgenommen und erlebt und trotzdem sind wir noch lange nicht am Ziel. Das letzte Stück ist zwar wirklich schön – wir laufen zunächst an einem Wildgehege vorbei und später entlang der wilden Gutach – aber eigentlich wollen wir jetzt gerne ankommen und die Wanderschuh ausziehen. Gerade die Gutach lockt mit ihrem Wasser eine weitere Rast einzulegen um die Füße ins Wasser zu halten, aber wir haben auch so schon noch mindestens eine Stunde vor uns und wollen einfach nur ankommen.  

Letztlich erreichen wir Simonswald und somit unser heutiges Übernachtungshotel. Wir duschen, ziehen uns um und gehen zum Abendessen. Erschöpft und satt sitzen wir auf der Terasse von unserem Hotel, lassen den Tag revue passieren, atmen tief durch und sind einfach nur glücklich….

Einen Gesamtüberblick zum ZweiTälerSteig inkl. Tourenkarten findet sich auf unserer Spezial-Seite.

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