Aus unserem Logbuch

Auf dem Alpe-Adria-Trail durch Slowenien (Teil 1)

von | Juli 15, 2026 | Logbuch, Unterwegs

Es gibt Wanderungen, bei denen man sich am Ende vor allem an einzelne Gipfel oder Aussichtspunkte erinnert. Und es gibt Reisen, bei denen die gesamte Landschaft in Erinnerung bleibt. Genau so ging es mir auf dem slowenischen Abschnitt des Alpe-Adria-Trails. Fünf Tage war ich zwischen den Julischen Alpen und der italienischen Grenze unterwegs – von Kranjska Gora über den Vršič-Pass, zwei Tage entlang der türkisfarbenen Soča bis schließlich hinüber nach Italien mit Cividale del Friuli als meinen Endpunkt. Rund 100 Kilometer und knapp 3.000 Höhenmeter standen am Ende auf der Uhr. Landschaftlich war die Reise ein absolutes Highlight, auch wenn sie zum Schluss ein paar kleinere Schwächen hatte.

Gebucht habe ich die Reise wieder einmal über Eurohike – also wieder Individualreise mit dem gewissen Komfort des Gepäcktransports und einigen Transfers vor Ort. Auf meine Erfahrungen mit Eurohike gehe ich am Ende des Beitrags noch einmal gesondert ein. Zunächst soll es aber um die Wanderung selbst gehen.

Über den Vršič-Pass ins Soča-Tal

Die Reise beginnt in Kranjska Gora (zu deutsch: Kronau), dem wohl bekanntesten Wintersportort Sloweniens an der Grenze zum Nationalpark Triglav. Gerade im Sommer wirkt der kleine Ort angenehm entspannt und ist der perfekte Ausgangspunkt für den Einstieg in den Alpe-Adria-Trail.

Die erste Etappe ist mit rund 24 Kilometern sowie gut 1.000 Höhenmetern im Aufstieg gleich zu Beginn eine anspruchsvolle Etappe. Sie führt zunächst am Jasna-See vorbei und anschließend hinauf zum Vršič-Pass, dem höchsten Gebirgspass Sloweniens. Das erhoffte Bergerlebnis wollte sich zunächst aber leider nicht einstellen. Der Wanderweg verläuft über längere Abschnitte in der Nähe der Passstraße. Der Klang von Autos und Motorrädern begleitet einen deshalb immer wieder und dadurch fehlt ein wenig dieses Gefühl, wirklich abgeschieden in den Bergen unterwegs zu sein. Oben auf dem Vršič-Pass angekommen, öffnet sich dann zum ersten Mal der Blick auf die andere Seite der Julischen Alpen und hinunter ins Soča-Tal. Allein dieser Ausblick entschädigt bereits für den Aufstieg und macht Lust auf das, was noch kommt.

Von hier aus beginnt der Abstieg und die Vegetation verändert sich leicht. Der Weg führt durch bewaldete Abschnitte, bevor man nach rund 18,5 Kilometern einen kurzen Abstecher zur Soča-Quelle unternehmen kann. Hier entspringt das kristallklare Wasser der Soča, bevor es sich seinen Weg durch das Tal bahnt. Von der Quelle aus begleitet die Soča uns schließlich auf den letzten knapp sechs Kilometern bis nach Trenta. Beim Anblick des leuchtend smaragdgrünen Wassers der Soča wusste ich, dass die kommenden Tage etwas Besonderes werden würde 

Zwei Tage entlang der Soča – Das Highlight der Reise

Die beiden kommenden Tage waren mit Abstand die schönsten der gesamten Reise. Die beiden Etappen von Trenta nach Bovec und anschließend weiter nach Kobarid sind das absolute Highlight.

Über weite Strecken folgt der Alpe-Adria-Trail direkt dem Fluss. Mal auf der linken, mal auf der rechten Seite. Immer wieder führen Hängebrücken über das Wasser, kleine Waldpfade wechseln sich mit offenen Uferbereichen ab und hinter fast jeder Kurve wartet das nächste Fotomotiv. Dabei ist es gar nicht unbedingt die Landschaft allein, sondern vor allem dieser unglaubliche Fluss mit seinem magischen Wasser. Die Soča leuchtet je nach Sonneneinstrahlung in unterschiedlichsten Türkistönen und ist dabei so klar, dass man bis auf den Grund schauen kann. Eigentlich möchte man ständig stehen bleiben, Rast einlegen und in das kühle Wasser springen. Und genau das macht das Soča-Tal so besonders: Entlang des Flusses gibt es unzählige Möglichkeiten, ans Ufer hinabzusteigen. Mal führen kleine Trampelpfade direkt zum Wasser, an anderen Stellen muss man sich vorsichtig über Felsen selbst den Weg suchen. Fast überall findet man kleine natürliche Buchten oder Sand- und Kiesstrände, die zum Baden einladen. Wer mit dem Auto unterwegs ist, findet entlang der parallel verlaufenden Straße immer wieder Parkmöglichkeiten, von denen aus das Ufer erreichbar ist. Kein Wunder also, dass man an vielen Stellen bereits auf etliche Einheimische und Urlauber trifft. 

Ganz ungefährlich ist das Baden allerdings nicht überall. Die Soča führt stellenweise eine starke Strömung. Der Fluss wird auch für Wildwasser- und Kanutouren genutzt. Umso wichtiger ist es, sich eine geeignete und sichere Badestelle auszusuchen. Das Wasser selbst ist selbst im Sommer erstaunlich kalt. Hat man sich aber erst einmal an die Temperatur gewöhnt, gibt es kaum eine schönere Erfrischung. Überhaupt war die Soča während der gesamten Reise weit mehr als nur ein Fluss. Sie prägt die komplette Landschaft, sorgt für eine besondere Atmosphäre und macht dieses Tal zu einem der schönsten Orte, den ich erwandert habe.

Aber gerade darin liegt das Dilemma bei einer Mehrtagestour. Mit über 20 Kilometern Tagesetappe im Kopf kann man eben nicht an jedem schönen Platz eine Stunde verbringen. Dabei gäbe es entlang der Soča unzählige Möglichkeiten. Fast alle paar hundert Meter findet man kleine Naturstrände, Felsen oder ruhige Buchten, an denen man einfach sitzen oder baden könnte. Ich habe mir während der Reise zumindest 3 mal den Badespaß gegönnt und das sind auch die prägendsten Erinnerungen, die ich von dieser Reise mitbringe. 

Auf der dritten Etappe von Bovec aus gibt es gleich 2 Wasserfälle zu besichtigen. Anfangs führt der Weg die ersten 8 Kilometer durch ein Waldgebiet, vorbei an einem kleinen Stausee, bei dem man einen kleinen Abstecher zum Wasserfall Slap Virje machen kann. Auf die Soča trifft man dann wieder bei Kilometerstand 10, kurz nach dem Boka Wasserfall, dem wasserreichsten und mächtigsten Wasserfall im Soča-Tal. Anschließend folgen wir wieder der Soča bis nach Kobarid. Dichte Wälder, weitere Badestellen und immer wieder der Blick auf das leuchtend smaragdgrüne bis türkisblaue Wasser sorgen dafür, dass auch dieser Tag landschaftlich kaum Wünsche offen lässt.

Kobarid selbst ist ein kleiner, idyllischer Ort mit rund 1000 Einwohnern. Wie viele der Orte, die wir durchqueren, hat auch dieser eine bewegte Geschichte. Während der Isonzo-Schlachten im Ersten Weltkrieg war die Region einer der Brennpunkte an der Front. Überhaupt begegnet uns auf der Reise immer wieder die Geschichte des ersten und zweiten Weltkriegs. Natur und Geschichte liegen hier oft näher beieinander, als man zunächst vermuten würde.

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