Dies ist der zweite Teil des Reiseberichts vom Alpe-Adria-Trail durch Slowenien. Den ersten Teil des Berichts findet sich [hier]
Abschied vom Soča-Tal

Am vierten Tag führte mich die Wanderung von Drežnica nach Tolmin. Nach einem kurzen Transfer begann die Etappe direkt mit ihrem anspruchsvollsten Abschnitt: Auf den ersten sechs Kilometern ging es direkt rund 700 Höhenmeter hinauf zur Italienischen Kapelle. Der Aufstieg durch den Wald war zwar schweißtreibend, oben angekommen wurde man dafür aber mit einem schönen Blick über das Soča-Tal und hinüber zum Kolovrat-Kamm belohnt. Die kleine Kapelle selbst ist ein ruhiger Ort der Erinnerung und lädt zu einer kurzen Pause ein.
Von dort aus führte der Weg über die Hochweiden von Kuhinja und anschließend langsam wieder hinunter Richtung Tolmin. Der Abstieg führt zunächst über eine Asphaltpassage und später über Schotter- und Wanderwege. Erst ab etwa Kilometer 18 erreichte ich schließlich wieder die Soča und konnte den Tag zumindest mit einem letzten Bad im glasklaren Wasser ausklingen lassen.
Insgesamt konnte diese Etappe für mich allerdings nicht mehr ganz mit den Eindrücken der Tage zuvor mithalten. Das liegt aber weniger an der Wanderung selbst als vielmehr daran, dass die Messlatte nach den ersten drei Tagen im Soča-Tal einfach unglaublich hoch lag. Waldwege, Almwiesen und längere Asphaltabschnitte konnten mit den spektakulären Eindrücken entlang der Soča einfach nicht mehr ganz mithalten. Objektiv war auch diese Wanderung schön – persönlich hätte ich mir aber lieber noch einen weiteren Tag direkt am Fluss gewünscht.
Und das war dann leider auch schon der letzte Tag an der Soča. Die letzte Etappe führte mich schließlich nur noch einmal hinauf auf den Kolovrat-Kamm. Diese Etappe war zwar mit rund elf Kilometern vergleichsweise kurz, hatte es mit etwa 900 Höhenmetern aber noch einmal ordentlich in sich. Fast der gesamte Weg führt durch den Wald bis hinauf auf den Kolovrat-Kamm, wo dann das eigentliche Highlight dieses Tages wartete: Entlang des Höhenrückens befinden sich zahlreiche erhaltene Schützengräben aus dem Ersten Weltkrieg, die heute besichtigt werden können. Zwischen den alten Stellungen hindurchzulaufen und gleichzeitig den Blick über die Julischen Alpen und hinunter in die friulanische Ebene genießen zu können, war ein beeindruckender Abschluss dieser Wanderung.



Kurze Zeit später stand ich schließlich an der italienischen Grenze und blickte noch ein letztes Mal zurück nach Slowenien, bevor ich dann den kurzen Abstieg zum Rifugio Solarie antrat. Dort wurde ich dann abgeholt und nach Cividale del Friuli gebracht.
Cividale del Friuli – Ein gelungener Abschluss
Die eigentliche Wanderung endet oben auf dem Kolovrat-Kamm an der italienischen Grenze. Von dort gab es dann einen organisierten Transfer nach Cividale del Friuli. Für mich gehört Cividale aber ganz klar noch zur Reise dazu. Das kleine Örtchen hat mich sofort begeistert. Eine wunderschöne Altstadt, verwinkelte Gassen, unglaublich freundliche Menschen und vor allem fantastisches Essen machten den Aufenthalt zu einem perfekten Abschluss.
Während ich die slowenische Küche eher als bodenständig und fleischlastig erlebt habe, war das kulinarische Angebot in Italien noch einmal ein ganz anderes Niveau. Gute Restaurants, hervorragender Service und trotzdem überraschend faire Preise. Im Nachhinein hätte ich mir gut vorstellen können, hier noch einen weiteren Tag zu verbringen.
Auch die Rückreise war deutlich unkomplizierter als zunächst gedacht. Über Udine ging es mit der Bahn nach Villach und von dort schließlich zurück nach Deutschland. Insgesamt war sowohl die An- als auch die Abreise mit öffentlichen Verkehrsmitteln erstaunlich einfach.



Mein Fazit
Der slowenische Abschnitt des Alpe-Adria-Trails ist definitiv eine Reise wert. Vor allem das Soča-Tal hat mich nachhaltig beeindruckt. Das türkisfarbene Wasser, die Hängebrücken und die Möglichkeit, immer wieder direkt im Fluss baden zu können, machen diese Region wirklich einzigartig.
Der einzige Wermutstropfen waren die Temperaturen. Während meiner Reise lagen sie meist zwischen 33 und 34 Grad. Dadurch wurden die Etappen deutlich anstrengender, als es Kilometer und Höhenmeter vermuten lassen. Ich hatte mir zum Glück vor der Reise noch einen Wasserfilter besorgt und konnte somit unterwegs immer wieder frisches Wasser aus der Soča nachfüllen – das war meine Rettung.
Die letzten beiden Etappen konnten für mich allerdings nicht mehr ganz mit den ersten drei Tagen mithalten. Eines steht für mich jedenfalls fest: Ich werde nach Slowenien zurückkehren. Dann allerdings nicht als Wanderer, sondern mit deutlich mehr Zeit. Denn entlang der Soča gibt es noch unzählige Orte, an denen ich gerne einfach einmal einen ganzen Tag verbringen würde.
Organisation mit Eurohike
Gebucht habe ich die Reise über Eurohike. Neben dieser Tour bietet Eurohike in Slowenien auch eine Rundwanderung durch die Julischen Alpen und das Soča-Tal an. Diese beginnt und endet in Bled, beinhaltet aber deutlich mehr Transfers. Ich habe mich daher bewusst für den Alpe-Adria-Trail entschieden, weil die Route mit deutlich weniger Transfers sich für mich eher wie eine Wanderreise von A nach B anfühlt.
Die Organisation selbst war, wie ich es von Eurohike gewohnt bin, hervorragend. Unterkünfte, Gepäcktransport und Transfers funktionierten während der gesamten Reise reibungslos. Hier gibt es aus meiner Sicht nichts zu kritisieren. Der einzige kleine Nachteil betrifft weniger Eurohike als vielmehr das Konzept einer solchen organisierten Wanderreise. Durch die festen Etappen und die Transfers hat man den Zeitplan natürlich immer ein wenig im Hinterkopf. Gerade entlang der Soča hätte ich mir manchmal gewünscht, noch länger am Fluss zu sitzen oder einfach eine ausgedehnte Badepause einlegen zu können. Aber gleichzeitig blickt man auf die Uhr und berechnet den Restweg und die Zeit die bleibt um den rechtzeitig am Zielpunkt anzukommen. Andererseits gehört das aber auch zu einer Weitwanderung dazu: Irgendwann muss man den Rucksack wieder schultern und weitergehen.
Würde ich die Reise noch einmal buchen? Vermutlich nicht in dieser Konstellation. Wie im Bericht erwähnt empfand ich die letzten beiden Etappe eher unnötig, daher würde ich das nächste mal doch entweder die Rundwanderung durch die Julischen Alpen testen oder direkt selbst meine Hotels buchen und entsprechend ein oder zwei zusätzliche Übernachtungen im Soča-Tal einplanen.
Eigene Empfehlungen
Zum Abschluss möchte ich noch ein paar persönliche Tipps mitgeben.
Die An- und Abreise ist einfacher als gedacht
Da der Alpe-Adria-Trail keine Rundwanderung ist, hatte ich zunächst etwas Respekt vor der An- und Abreise. Im Nachhinein war das allerdings völlig unbegründet. Die Anreise nach Kranjska Gora ist mit öffentlichen Verkehrsmitteln überraschend unkompliziert. Mit dem Zug geht es zunächst von München bis nach Jesenice. Von dort verkehren regelmäßig Busse nach Kranjska Gora, sodass der letzte Abschnitt ebenfalls problemlos zu bewältigen ist.
Für die Rückreise gilt: Von Cividale del Friuli fahren regelmäßig Busse und Züge nach Udine. Von dort aus bestehen gute Bahnverbindungen über Villach zurück nach Deutschland. Ich konnte beispielsweise mit nur einem Umstieg in Villach direkt bis nach Mannheim fahren.
Wer also mit öffentlichen Verkehrsmitteln anreisen möchte, muss sich hier wirklich keine großen Gedanken machen.
Auch Friaul-Julisch Venetien lohnt sich
Das mich die Soča nachhaltig beeindruckt hat, habe ich ja jetzt mehrfach erwähnt. Aber auch Cividale del Friuli als auch Udine haben mich sofort begeistert. Beide Städte sind wunderschön, entspannt und bieten eine tolle Atmosphäre. Dazu kommt die hervorragende italienische Küche, die für mich noch einmal ein echtes Highlight zum Abschluss der Reise war.
Deshalb würde ich jedem empfehlen, nach der Wanderung noch ein oder zwei zusätzliche Tage in Friaul-Julisch Venetien einzuplanen. Die Region hat weit mehr zu bieten als nur den Endpunkt des Alpe-Adria-Trails und ist für mich definitiv eine eigene Reise wert.


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