Aus unserem Logbuch

Müllerthal Trail in Luxemburg – ein Abenteuer

von | Okt. 10, 2026 | Logbuch, Unterwegs

Ein Wanderabenteuer zwischen Felsen, Schluchten und Burgen

Auf der Suche nach einem neuen Wanderziel für den Herbst bin ich eher zufällig auf den Müllerthal Trail in Luxemburg gestoßen. Der Müllerthal Trail liegt im Osten Luxemburgs, in der Region Müllerthal, die aufgrund ihrer außergewöhnlichen Felslandschaften auch als „Kleine Luxemburger Schweiz“ bezeichnet wird. Von Trier aus ist die Gegend in etwa einer halben Stunde erreichbar. Der insgesamt 112 Kilometer lange Wanderweg wurde vom Europäischen Wanderverband als „Leading Quality Trail – Best of Europe“ ausgezeichnet. Er besteht aus drei großen Rundrouten mit jeweils etwa 36 bis 40 Kilometern Länge, die sich landschaftlich durchaus unterscheiden.

Route 1 verbindet vor allem Wiesen, Wälder, kleinere Felspassagen und schöne Aussichtspunkte. Route 2 führt mitten hinein in die spektakulären Sandsteinlandschaften des Müllerthals und Route 3 begeistert mit idyllischen Bachtälern, mystisch wirkenden Felsformationen und historischen Burgen. Hinzu kommen fünf zertifizierte Extratouren zwischen etwa 9 und 30 Kilometern, sodass man hier problemlos auch einen längeren Wanderurlaub verbringen kann.

Tourenplanung – dank kostenlosem Nahverkehr erstaunlich einfach

Das Schöne daran: Man muss keineswegs alle Routen am Stück laufen. Durch die zahlreichen Ortschaften und die guten Busverbindungen lassen sich die einzelnen Rundwege wunderbar in kürzere Tagesetappen aufteilen. Ich selbst war eine Woche vor Ort, hatte meine Unterkunft in Echternach und bin von dort aus zu sämtlichen Wanderungen gestartet – entweder direkt zu Fuß oder mit dem Bus. Echternach ist dafür ein ausgesprochen praktischer Ausgangspunkt, denn von hier aus erreicht man die verschiedenen Abschnitte der drei Hauptrouten und kommt nach der Wanderung auch wieder gut zurück.

Die Busverbindungen waren während meines Aufenthalts völlig unkompliziert und die Busse fuhren in der Regel ungefähr stündlich, an Sonntagen teilweise etwas seltener. Ein weiterer großer Vorteil: In Luxemburg ist der öffentliche Nahverkehr mit Bus und Bahn grundsätzlich kostenlos.

Das macht die Planung wirklich angenehm. Man sucht sich einfach einen passenden Start- und Endpunkt aus und kann die Wanderung entsprechend der eigenen Kondition und der verfügbaren Zeit gestalten. Ich selbst habe sowohl Route 2 als auch Route 3 auf jeweils zwei Tageswanderungen verteilt. Route 1 habe ich ausgelassen.

Ein echtes Abenteuer zwischen gewaltigen Sandsteinfelsen

Jetzt mal Klartext: Die Route 2 des Müllerthal Trails ist ein absolutes Wanderhighlight. Was einen hier erwartet, ist wirklich außergewöhnlich. Speziell den Abschnitt von Echternach über Berdorf und Müllerthal bis nach Consdorf oder Alttrier, wartet mit den spektakulärsten Felslandschaften der Region auf. Bis Müllerthal sind es dabei ungefähr 12 Kilometer. Bis Consdorf bzw. Alttrier sind es dann nochmal etwa 8 Kilometer – da ist dann insgesamt die Hälfte der gesamten Strecke der Route 2 des Müllerthal Trails.

Schon kurz nach dem Start in Echternach wartet mit der Wolfsschlucht eines der ersten Highlights. Die gewaltige, steile Felsspalte ist beeindruckend. Über Steintreppen geht es zwischen den mächtigen Felswänden hinunter und wieder hinauf. Doch so imposant die Wolfsschlucht bereits ist: Je weiter man in das Müllerthal hineinwandert, desto spektakulärer wird die Landschaft. Der Weg führt zunehmend zwischen gewaltigen Sandsteinformationen hindurch. Die Felswände werden höher, die Schluchten enger und die Wege immer verwinkelter. Teilweise läuft man zwischen geschätzt 15 bis 20 Meter hohen Felsen hindurch, die links und rechts steil in die Höhe ragen. Dazu kommen beeindruckende Höhlen, moosbewachsene Felswände und Felsformationen, die stellenweise wie ein natürlicher Irrgarten wirken.

Mal führt der Weg zwischen hohen Felswänden hindurch, dann wieder über Treppen oder durch verwinkelte Felspassagen. Gerade dieses ständige Wechselspiel macht die Wanderung so spannend. Zu den bekannten Felsformationen entlang der Route gehören beispielsweise der Perekop und die Hohllay, eine ehemalige Mühlsteinhöhle. Man betrachtet dabei die Felsen nicht einfach nur aus der Ferne, sondern bewegt sich tatsächlich mitten durch diese Landschaft hindurch. An manchen Stellen werden die Felsspalten so schmal, dass man sich tatsächlich seitlich hindurchzwängen muss. Teilweise reicht der Platz nicht einmal mehr für den Rucksack auf dem Rücken, sodass man ihn abnehmen muss, um durchzukommen. Und als wäre das noch nicht genug Abenteuer, gibt es mit der Kuelscheier auch noch einen Felstunnel, bei dem es für einige Meter tatsächlich richtig dunkel wird. Hier ist eine Taschenlampe oder zumindest die Taschenlampenfunktion des Smartphones notwendig, um sicher hindurchzukommen.

Genau solche Passagen sind es, die für mich den besonderen Reiz dieser Wanderung ausmachen. Zwischen riesigen Felswänden hindurchzulaufen, sich durch enge Spalten zu bewegen und schließlich durch einen dunklen Felstunnel zu wandern – das hat schon etwas von einem kleinen Abenteuer. Ich habe in den vergangenen Jahren viele unterschiedliche Wanderregionen kennengelernt, aber eine derart außergewöhnliche Kombination aus engen Schluchten, Felslabyrinthen und begehbaren Felsspalten ist mir bisher kaum begegnet. Für mich war das jedenfalls ein absolutes Highlight!

Bei aller Begeisterung sollte man allerdings auch den konditionellen Anspruch der Route 2 nicht unterschätzen. Der Weg führt ständig auf und ab. Immer wieder geht es über Treppen, schmale Pfade und steilere Wegabschnitte durch die Felslandschaft. Je nach gewählter Tagesetappe können sich dabei durchaus 600 bis 700 Höhenmeter ansammeln. Auf der gesamten Rundroute sind es sogar rund 900 Höhenmeter. Eine gewisse Grundkondition und festes Schuhwerk sind deshalb auf jeden Fall empfehlenswert. Gerade bei Nässe können die Felsen und Steinstufen außerdem ziemlich rutschig werden.

Romantische Bachtäler, mystische Felsen und zwei Burgen

Auch Route 3 hat mir gut gefallen, wenngleich sie landschaftlich einen etwas anderen Charakter hat und für mich nicht ganz an die spektakulären Felslandschaften der Route 2 heranreicht. Besonders schön ist der Abschnitt von der Ortschaft Müllerthal in Richtung Beaufort. Hier führt der Weg zunächst durch ein idyllisches, bewaldetes Bachtal, vorbei an moosbewachsenen Felsen und schönen Waldpassagen. Besonders reizvoll sind außerdem die beiden historischen Burgen entlang der Route: die Burg Beaufort und die Schlossruine Larochette. Beide Anlagen sind beeindruckend und lohnen sich für eine Besichtigung.

Auf dem Weg von Beaufort in Richtung Larochette verändert sich die Landschaft zunehmend. Statt enger Waldwege und Felsformationen wandert man häufiger über offene Felder und Hochebenen. Auch diese Abschnitte sind landschaftlich schön, allerdings deutlich weniger spektakulär als die Schluchten und Felslabyrinthe der Route 2.

Der Abschnitt ab Blumenthal bis Müllerthal wird dann allerdings wieder spannender: Zunächst geht es durch den Marscherwald und schlißlich folgt als ein weiteres Highlight die Kallektuffquell, bei der glasklares kalkhaltiges Wasser über einen Felsvorsprung in ein Becken fließt. Ein perfektes Fotomotiv. Und appropo Fotomotiv: Sowohl auf der Route 2 wie auch 3 gelangt man kurz hinter Müllerthal an den Schéissendëmpel, ein kleiner Wasserfall mit einer charakteristischen Steinbrücke. Das Motiv gehört wohl zu den bekanntesten Sehenswürdigkeiten des Müllerthals und ist auch wirklich sehenswert.

Fazit

Vor meinem Besuch hatte ich Luxemburg als Wanderregion überhaupt nicht auf dem Schirm. Umso überraschter war ich, was diese vergleichsweise kleine Region landschaftlich zu bieten hat. Besonders die Route 2 hat mich wirklich begeistert. Die gewaltigen Sandsteinfelsen, engen Schluchten, moosbewachsenen Felswände, verwinkelten Felslabyrinthe und dunklen Felstunnel machen diese Wanderung zu einem Erlebnis, das mir noch lange in Erinnerung bleiben wird.

Dazu kommt die unkomplizierte Tourenplanung dank der guten Busverbindungen und des kostenlosen öffentlichen Nahverkehrs. Gerade wenn man mehrere Tage vor Ort ist und die Wanderungen flexibel gestalten möchte, ist das ein echter Vorteil.

Wer außergewöhnliche Felslandschaften liebt und beim Wandern auch gerne einmal ein bisschen Abenteuer erlebt, sollte sich den Müllerthal Trail unbedingt genauer anschauen. Für mich steht jedenfalls fest: Das war ganz sicher nicht mein letzter Besuch im Müllerthal. Allein die Route 2 würde ich jederzeit noch einmal laufen.

Lust bekommen?

Die Auswahl an Übernachtungsmöglichkeiten ist in der Region nicht besonders groß. Wer mehrere Tage in der Region verbringen möchte, dem würde ich Echternach als Ausgangspunkt empfehlen. Der Ort liegt günstig und bietet gute Busverbindungen in die verschiedenen Wandergebiete. Auch Echternacherbrück auf der deutschen Seite ist eine mögliche Alternative, da man von dort aus bequem zu Fuß nach Echternach gelangt. Ich habe meine beiden gewanderten Hauptrouten jeweils in zwei Tagesetappen aufgeteilt und bin mit dieser Lösung sehr gut zurechtgekommen.

Wer einen Wanderurlaub im Müllerthal plant und Interesse an einer konkreten Etappenplanung hat, kann sich gerne bei mir melden. Bei entsprechendem Interesse stelle ich noch einmal genauer zusammen, welche Busverbindungen ich genutzt habe und wie sich die einzelnen Tageswanderungen am besten organisieren lassen.

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