Aus unserem Logbuch

Salzalpensteig (Teil3) – vom Hochfelln nach Ruhpolding

von | Sep 23, 2022 | Logbuch, Unterwegs

Montag, Vom Hochfelln nach Ruhpolding (21 km, Anstieg 990Hm, Abstieg 1400Hm)

Und heute endlich Berge, denke ich mir. Nach dem gestrigen Tag kann ich es kaum erwarten endlich nach oben zu kommen. Das Ziel ist zunächst der Hochfelln, der mit 1674 Metern über dem Chiemgau thront. Am schnellsten geht das zwar mit der Bergbahn, aber irgendwie möchte ich mir den Gipfel auch verdienen. Also fahre ich nur bis zur Mittelstation und marschiere die restlichen 500 Höhenmeter zu Fuß nach oben. Ja, es ist anstrengend aber je höher ich steige, desto weiter reicht der Blick hinab zum Chiemsee und die dahinterliegende Ebene.

Und nach knapp 4 Kilometern erreiche ich schließlich den Gipfel. Die Aussicht ist grandios. Nicht umsonst wird der Hochfelln auch die „Aussichtsterrasse“ des Chiemgaus genannt. Von dort oben blicken wir auf der einen Seite in die Ebene, hinab zum Chiemsee und auf der anderen Seite auf die umliegenden Berge. Bei gutem Wetter reicht der Blick sogar bis in die Schweizer Alpen und am Horizont zeichnet sich der schneebedeckte Gipfel des Großglockners ab. Ein atemberaubendes Panorama.

Weiter geht es über die Farnbödenalm nach Brand. Und kaum verlasse ich den Bereich um den Hochfelln, bin ich plötzlich allein. Auf dem Weg hinab zur Farnbödenalm begegnet mir niemand mehr und auch auf dem weiteren Verlauf der Tour begegnen mir nur vereinzelt einige Wanderer. Ansonsten nur ich und die Natur.

Und so genieße ich den Abstieg, der mich bis zur Farnbödenalm zunächst über kleine Pfade führt. Ab der Alm begrüßt mich dann wieder eine dieser Schotterstraßen. Diese führt auf den nächsten zwei Kilometern zudem recht steil bergab, nur um dann wieder aufzusteigen. Innerlich fluche ich. Vor allem sehe ich auf der Karte, dass die Straße von hier an nur knapp einen Kilometer nach oben führt, nur um dann eine Kehrtwende zu machen und schließlich wieder zurück in die gleiche Richtung zu führen. Ich sehe also, dass ich in wenigen Kilometern nur wenige Meter Luftlinie neben dem Weg, den ich gerade nach oben steige, wieder zurücklaufen werde. Ich wünsche mir nur so sehr, dass der Weg zurück nicht auch eine Schotterstraße ist. Und meine Wünsche werden erhöht. Was nun folgt, entschädigt für alles…

Der Weg wechselt in einen kleinen schmalen Wald- und Wurzelpfad. Dieser führt mich hinunter nach Brand. Nur ein-, zweimal wird der Weg kurz über eine kleine Passage auf einem Forstweg unterbrochen. Ansonsten lässt dieser Weg mein Abenteuerherz höher schlagen.

Manchmal kreuzen Querverbindungen den Weg. Ich beschließe vorwiegend dem gelben Zeichen des Salzalpensteigs zu folgen, statt mich weiter an irgendwelche Routenvorgaben aus meiner Planung zu halten. Und auch das bereue ich nicht.

Ich werde mit dem, mit Abstand schönsten, Waldabschnitt belohnt, den ich jemals erwandert habe. Ich wunderte mich bereits im Vorfeld über die Bezeichnung „Märchenwald“ auf der Karte. Ich dachte zu diesem Zeitpunkt noch, dass da vermutlich einfach irgendwelche Tafeln mit Märchenerzählungen in den Wald gestellt wurde. Aber nein, es ist wirklich ein mystischer und märchenhafter Wald, durch den ich hier marschieren darf. Nach Überlieferung kam es in der Region zu einem Felssturz und durch die Eigenart des Gesteins, bildeten sich Grotten und Höhlen. Zudem kam es zu extremen Mooswuschs. Wir wandern hier also zwischen moosbewachsenen Felsen hindurch und steigen über Baumstämme. Zusammen mit dem Lichtspiel der Sonne, die durch die grünen Blätter scheint, erlebe ich eine fast schon mystische Stimmung. Dieser Wald ist traumhaft.

Mit einem Lächeln im Gesicht erreiche ich Brand. An der Bushaltestelle steht gerade ein Bus mit Ziel Ruhpolding Bahnhof. Ich komme kurz ins Grübeln und blicke auf die Uhr. Eigentlich sind es ja noch gut neun Kilometer. Ne, jetzt mit dem Bus fahren, das fühlt sich falsch an. Ach, hätte ich es nur getan. Denn die letzten Kilometer haben es nochmal so richtig in sich. Es geht nämlich zunächst direkt nochmal zweihundert Höhenmeter nach oben. Das kostet richtig Kraft.

Aber: Die Landschaft ist schön. Der Blick öffnet sich alsbald wieder in Richtung Ruhpolding und dem Miesebacher Tal. Hier bietet sich spätestens in Weingarten nochmal eine Rast an. Und von hier aus ist es dann nur noch ein kurzer Abstieg nach Ruhpolding.

Kleiner Tipp: In Ruhpolding gibt es in der Nähe des Golfclub Ruhpolding eine Kneipanlage. Wer also auf dem Weg von Weingarten nach Ruhpolding einen kleinen Schlenz einbaut, kann seinen Füßen noch etwas Gutes tun. Nach einer Tour wie dieser ist eine entsprechende Abkühlung mehr als wohltuend.

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Salzalpensteig vom Chiemsee zum Königssee

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